Prämienentwicklung sorgt bei 82% für Unruhe
Die Sorge in der Schweiz ist gross: 82 Prozent der befragten Deutsch- und Westschweizer*innen der Marketagent-Umfrage geben an, dass sie die Entwicklung der Krankenkassenprämien sehr oder eher beunruhigt. Nur knapp jede fünfte Person blickt der weiteren Entwicklung vergleichsweise gelassen entgegen (18%). Für 2027 erwarten 86 Prozent weiter steigende Krankenkassenprämien. 36 Prozent gehen sogar von einem Anstieg von mehr als 5 Prozent aus, weitere 50 Prozent von bis zu 5 Prozent.
Die Anspannung kommt nicht von ungefähr. Bereits heute empfinden 85 Prozent der Befragten ihre Krankenkassenprämien zumindest teilweise als Belastung für das verfügbare Haushaltsbudget. Für 42 Prozent ist diese Belastung sogar stark. Gleichzeitig beurteilen beinahe zwei Drittel ihre aktuell bezahlte Prämie als eher weniger oder überhaupt nicht angemessen (64%).
Wie weit die Belastung bereits reicht, zeigt sich beim Blick auf das Konsum- und Ausgabeverhalten. 69 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich aufgrund der Höhe ihrer Krankenkassenprämien in anderen Lebensbereichen zumindest etwas einschränken. Ein Viertel der Gesamtbevölkerung spricht sogar von deutlichen Einschränkungen (25%).
Am häufigsten wird bei Restaurantbesuchen und beim Ausgang gespart (53%). 52 Prozent reduzieren ihre Ausgaben in Zusammenhang mit Ferien und Reisen, 47 Prozent bei Freizeit, Hobbys und Kultur. Besonders bemerkenswert: Jeweils rund 28 Prozent dieser Gruppe sparen auch bei der privaten Vorsorge beziehungsweise bei Gesundheitsausgaben, die sie selbst beeinflussen können, beispielsweise bei Therapien. Damit reichen die Folgen hoher Krankenkassenprämien teilweise über klassischen Konsumverzicht hinaus.
Steigende Prämien könnten Wechselbereitschaft erhöhen
Eine weitere Prämienrunde dürfte auch die Dynamik zwischen den Krankenkassen verstärken. Sollte die eigene Prämie 2027 spürbar steigen, würden 38 Prozent der Befragten einen Wechsel der Krankenkasse in Betracht ziehen. 31 Prozent würden versuchen, bei anderen Ausgaben zu sparen. Für rund jede fünfte Person kommt ein Umstieg auf ein anderes Versicherungsmodell – etwa ein Hausarzt- oder Telemedizinmodell – in Frage (22%), 14 Prozent würden die Franchise erhöhen.
Dass das Thema Wechsel bereits heute präsent ist, zeigt ein Blick auf die vergangenen zwei Jahre: Fast 3 von 10 (29%) haben in diesem Zeitraum tatsächlich die Krankenkasse gewechselt, darunter rund 20 Prozent explizit aus Spargründen. Weitere 39 Prozent haben einen Wechsel zumindest erwogen.
8 von 10 offen für eine Einheitskrankenkasse
Der zunehmende Prämiendruck schlägt sich auch in der Haltung zum bestehenden System nieder. Zwar beurteilen zwei Drittel das Schweizer Krankenversicherungssystem grundsätzlich als vertrauenswürdig (66%) und beständig (66%). Ebenso viele empfinden es allerdings auch als kompliziert (66%). Weniger als die Hälfte hält das System für transparent (49%) beziehungsweise fair (48%).
Entsprechend gross ist die Offenheit für strukturelle Veränderungen: 80 Prozent der Befragten sprechen sich für die Einführung einer staatlichen Einheitskrankenkasse für die Grundversicherung anstelle der heutigen Auswahl zwischen verschiedenen Krankenkassen aus. Auch eine stärkere Kopplung der Prämien an die finanzielle Leistungsfähigkeit findet breite Unterstützung. 73 Prozent befürworten einkommensabhängige Krankenkassenprämien. Unter Personen mit einem Haushaltseinkommen von bis zu CHF 3.000 beträgt die Zustimmung sogar 90 Prozent, und selbst in Haushalten mit mehr als CHF 7.000 monatlichem Einkommen sprechen sich noch 63 Prozent dafür aus.